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Projekt Hart am Limit 2011

Das HaLT- Projekt ist ein Alkoholpräventionsprogramm zur Förderung des verantwortungsbewussten Umgangs mit Alkohol für Jugendliche.  

Anlass für die Initiierung eines solchen Bundesmodells liegt im Ansteigen des so genannten „Binge-Drinking“ (i. S. v. Rauschtrinken) bei Jugendlichen und Kindern. Der Pro-Kopf-Gesamtverbrauch reinen Alkohols pro Woche bei 12-17-Jährigen stieg in den letzten Jahren erheblich (beispielsweise von 34,1 g im Jahr 2005 auf 50,4 g im Jahr 2007 (BZgA 2007)) und befindet sich seit 2 Jahren konstant auf einem anhaltend zu hohen Niveau. Darüber hinaus stellt eine Alkoholintoxikation inzwischen die dritthäufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt bei Kindern und Jugendlichen dar (Statistisches Bundesamt 2007).  

Das HaLT-Projekt will Jugendliche bereits in einem frühen Stadion ihrer Trinkentwicklung erreichen und ein Umdenken initiieren. Intoxikierte Jugendlichen und Kinder werden mit Einwilligung Ihrer Eltern bereits im Krankenhaus aufgesucht, um in der sensiblen Phase direkt nach dem Rausch ein erstes Gespräch führen zu können. In diesem so genannten „Brücken-Gespräch“ wird über die Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums informiert und weiterführende Angebote unterbreitet. Es wird auf die Hilfsangebote der Beratungsstellen aufmerksam gemacht und für die Teilnahme an einem „Risiko-Check“ geworben. Der „Risiko-Check“ für die betroffenen Jugendlichen wird von den Beratungsstellen in Stormarn organisiert und durchgeführt. Die Kosten dafür werden weitestgehend von den Krankenkassen getragen. In Südstormarn führen jeweils ein Mitarbeiter des Beratungszentrums sowie die HaLT Fachkraft, die bereits das Brückengespräch mit den Jugendlichen geführt hat, diese Maßnahmen durch. Der „Risiko Check“ findet meist an einem Wochenende statt. Ziel ist es, dass sich die betroffenen Jugendlichen mit ihrem riskanten Alkoholgebrauch und den  sich daraus ergebenen Suchtgefahren auseinander setzen sollen. Ergänzend dazu ist ein erlebnispädagogischer Teil vorgesehen, der das Ziel verfolgt, einerseits die Risikokompetenz der Jugendlichen zu fördern und andererseits die Erlebnisfähigkeit und das positive Selbstwerterleben zu stärken.  

Die Realisierung des HaLT-Projekts wurde auch im Jahr 2011 durch eine Partnerschaft zwischen dem Jugendschutz Stormarn, dem „Verein Kontakt - Initiative gegen Sucht und Gewalt“  und der Sparkassenstiftung Stormarn finanziert. Der Projektträger ist das Beratungszentrum Südstormarn – Sucht- und Drogenberatung (Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit e.V.). Aus dem Trägerpool wird eine freie pädagogische Mitarbeiterin finanziert, die die Brücken-Gespräche im Krankenhaus oder gegebenenfalls zu Hause bei den Familien durchführt.   Die am Projekt beteiligten Krankenhäuser sind das St. Adolf-Stift in Reinbek und das Asklepios Krankenhaus Bad Oldesloe. Die Zusammenarbeit zwischen den Projektbeteiligten konnte im Jahr 2011 verbessert werden, wenngleich die Kontinuität in der Zusammenarbeit teilweise noch ausbaufähig ist.

Im Jahr 2011 wurden 9  Jugendlichen bzw. Kinder (8 Jungen+ 1 Mädchen) mit einem Brückengespräch und weiterführenden Angeboten durch das HalT Projekt versorgt. Zusätzlich wurden Gespräche mit Eltern geführt, wobei 2 Gespräche im elterlichen Zuhause stattfanden. Das Alter der Jugendlichen lag überwiegend zwischen 16 + 17 Jahren. Auffallend war, dass von 9 Jugendlichen 8 bei allein erziehenden Müttern lebten. Nur ein Jugendlicher lebte in einer Familie mit beiden Eltern zusammen. Dort fand auch ein gemeinsames Gespräch mit beiden Erziehungsberechtigten statt. Drei der allein erziehenden Mütter nahmen das Angebot in Anspruch ein weiteres Gespräch mit der Beraterin zu führen. In 2 Fällen hat die Kollegin mehrere Kontakte mit dem zuständigen Jugendamt gehabt, um ein weiteres Vorgehen ab zu sprechen. Aufgrund unserer Empfehlung haben 2 Jugendliche und ihre Mütter eine Beratungsstelle aufgesucht. In einem weiteren Gespräch wollten die Eltern ihren Sohn dahingehend motivieren, die Beratungsstelle aufzusuchen. Zu dem Risiko-Check-Wochenende hatten sich 4 Jugendliche angemeldet, wobei lediglich 2  von Ihnen an dem Wochenende teilnahmen. Bei insgesamt 7 Jugendlichen Im Jahr 2011 wurden 9  Jugendlichen bzw. Kinder (8 Jungen+ 1 Mädchen) mit einem Brückengespräch und weiterführenden Angeboten durch das Halt Projekt versorgt. Zusätzlich wurden Gespräche mit Eltern geführt, wobei 2 Gespräche im elterlichen zu Hause stattfanden. Das Alter der Jugendlichen lag überwiegend zwischen 16+17 Jahre. Auffallend war, dass von 9 Jugendlichen 8 bei allein erziehende Mütter lebten. Nur ein Jugendlicher lebte in einer Familie mit beiden Eltern zusammen. Dort fand auch ein gemeinsames Gespräch mit beiden Erziehungsberechtigten statt. Drei der alleinerziehenden hatte die Mitarbeiterin nach den Gesprächen den Eindruck, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem voran gegangenen Missbrauch und der Vergiftung infolge übermäßigen Alkoholkonsums stattgefunden hat.  

Das Angebot des Risiko-Checks ist bislang leider zu wenig genutzt worden, obwohl dies  nicht nur für Jugendliche nach einem Krankenhausaufenthalt vorgesehen ist. Um auf die Möglichkeit der Zuweisung für Brückengespräche und Risiko-Check hinzuweisen wurden im Jahr  2011 auch Kontakte zur örtlichen Polizei hergestellt. Darüber hinaus wurde im Info-Treff Sozialarbeit auf die Möglichkeit hingewiesen, dass Institutionen wie Schulen und Jugendämter ebenfalls gefährdete oder auffällige Jugendliche zu dem Risiko-Check anmelden können. In diesem Zusammenhang wird es von besonderer Bedeutung sein, die Vernetzungsarbeit mit den relevanten Institutionen zu diesem Thema weiter zu intensivieren und auf das Angebot hin zu weisen.

Resultierend aus den ersten Erfahrungen sollte darüber hinaus künftig angestrebt werden, weitere Zielgruppen wie Mädchen, jüngere Jugendliche und Erstauffällige im Kontext von Alkoholmissbrauch zu erreichen. Bei den Eltern der betroffenen Jugendlichen ist zu vermuten, dass diese dann einen weiterführenden Beratungsbedarf bei Erziehungsfragen haben werden.